


Theater, das polarisiert, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregt
Zwei Theateraufführungen, zwei unterschiedliche Perspektiven und zahlreiche Denkanstöße: Am Donnerstag waren Peter und Daniela Miklusz zu Gast am Leibniz-Gymnasium. Die beiden Künstler, die in Neustadt durch das Café Mon Général bekannt sind und mittlerweile wieder in Berlin leben, hatten bereits im vergangenen Jahr mit „Der braune Teufel“ an unserer Schule gastiert.
Am Vormittag zog Peter Miklusz mit dem Antikriegsstück „Feldgrauer Kongress“ nach Kurt Tucholsky über 400 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 12 in seinen Bann. Im Mittelpunkt steht ein unbekannter Kriegsveteran, der die Frage aufwirft, ob die Menschheit den Krieg überwinden kann und welches grundlegende Umdenken dafür notwendig wäre. Die eindringliche Inszenierung polarisierte und löste in der anschließenden Diskussion durchaus kontroverse Reaktionen aus. Gerade darin zeigte sich die Stärke des Stücks: Es provozierte Widerspruch, forderte zur kritischen Auseinandersetzung heraus und regte dazu an, eigene Positionen zu Krieg, Frieden und gesellschaftlicher Verantwortung zu hinterfragen.
Am Abend standen Peter und Daniela Miklusz gemeinsam mit „Ich war Hitlers Köchin & Ich nur sein Zahnarzt“ auf der Bühne. Das Stück beleuchtet die Rolle zweier Personen aus Hitlers unmittelbarem persönlichen Umfeld, die dem NS-Diktator über Jahre hinweg dienten. Was wussten sie von den Verbrechen des Regimes? Welche Verantwortung trugen sie? Und wo beginnt persönliche Schuld? Diese unbequemen Fragen standen im Mittelpunkt der Aufführung. Leider fanden nur etwas mehr als 60 Gäste den Weg in die Aula – angesichts der eindringlichen Inszenierung und der gesellschaftlichen Relevanz des Themas eine geringe Resonanz. Umso erfreulicher war die angeregte Diskussion, die sich im Anschluss zwischen den Künstlern und dem Publikum entwickelte.
Das Leibniz-Gymnasium bedankt sich bei Peter und Daniela Miklusz für einen Theatertag, der nicht nur unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken und Diskutieren angeregt hat.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr!
(BOE, November 2026)


